Ich bin ein Lübecker…

Der Kieler Verbandstriebwagen II Nr. 195

Der Kieler Verband­s­trieb­wa­gen II Nr. 195
(Foto Patrick Hollmann)

Der Kieler Verband­s­trieb­wa­gen II Nr. 195 hat beim Stra­ßen­bahn­mu­seum Schön­ber­ger Strand lange ein Schat­ten­da­sein gefris­tet. Er stand auf dem Platz des zukünf­ti­gen Tram­ports nur unvoll­stän­dig unter einer Plane einge­hüllt. Der Beginn der Bauar­bei­ten am Tram­port vor zwei Jahren verhalf ihm endlich zu seinem ersehn­ten Hallen­platz. Nach Fertig­stel­lung der Schmal­spur­hälfte des Tram­ports durfte er dann als zweiter Wagen in sein neues Domizil einzie­hen. Ohne Hülle kann er jetzt am Gesche­hen unseres Museums teilnehmen.

Aber er erin­nert uns wieder daran: „Eigent­lich bin ich ein Lübe­cker und in Kiel wurde ich von den Stra­ßen­bah­nern und ihren Freun­den auch immer so genannt“. (In Kiel wurden die Wagen nach ihrem Bau- oder Herkunfts­ort benannt. Unser Arbeits­wa­gen 354 war ein „Hambur­ger“ oder „Falken­rie­der“ nach seinem Bauort.)

Und er erzählt weiter: „in Lübeck durfte ich mit meiner dorti­gen Nummer 249 die letzte Tour einer Lübe­cker Stra­ßen­bahn am frühen Morgen des 16.November 1959 fahren. In Bad Schwartau verab­schie­dete mich eine alte Dame die schon die Ankunft des ersten Stras­sen­bahn­zu­ges am 29.3.1912 erlebt hatte. In Kiel behielt ich als einzi­ger Lübe­cker meinen origi­na­len Liniennummernkasten.“

Anlass genug für uns die Rück­ver­wand­lung des Wagens in den Lübe­cker 249 zu begin­nen, da auch sein Bruder 196 im letzten Kieler Zustand restau­riert werden soll. Der Wagen soll äußer­lich herge­rich­tet werden im deut­lich dunk­le­ren Lübe­cker Gelb und wieder seine Lübe­cker Beschrif­tung erhal­ten. Im Vorfeld hat der Schrif­ten­ma­ler schon einmal Ziel­schil­der der Lübe­cker Linie 3 “Bad Schwartau — Schlutup” ange­fer­tigt und vorne einge­setzt und zeigt sie stolz. Bis der Wagen wieder als Lübe­cker Zwei­rich­tungs­wa­gen mit druck­luft­be­tä­tig­ten Türen seine Runden dreht kann es leicht noch eine Genera­tion dauern. Aber ein Anfang ist gemacht! 

Viel­leicht finden sich ja aktive oder finan­zi­elle Unter­stüt­zer aus Lübeck, die diesen Prozess gerne beschleu­ni­gen möchten?

Hiermit haben wir nun wirk­lich aus jeder 1100-mm-Stadt Deutsch­lands und Europas mit eigenen Fahr­zeu­gen ein Exem­plar vor Ort. Der vierte 1100-mm-Betrieb am Ostsee­strand hat ja keine eigenen Typen. Oder doch?

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