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Plattformwagen KSchE Ci 15


Bild nicht anzeigbar Am 15.2.1987 zeigte sich der "15" im wohl schönsten Zustand seiner inzwischen rund ein halbes Jahrhundert andauernden VVM-Geschichte. Nach der zweiten, nun grundlegenden Aufarbeitung in Aumühle steht er zur Überführung nach Schönberg bereit. Nicht historisch sind die für den Museumsbahnbetrieb unabdingbaren Plattformabschlüsse und die nach Art der "Donnerbüchsen" ausgeführten Übergangsverschlüsse und Scherengitter, die nur mit Schellen montiert jederzeit reversibel sind. Auch die handgemalte Beschriftung und die Beschilderung ist teils historisierend etwas auf die örtlichen Entscheidungsträger abgestimmt. Bis auf die Eigentumsverwaltung wurde der Anschriftenspiegel nach der auf der untersten Farbschicht der alten Bleche vorgefundenen ehemaligen TWE-Beschriftung wiederhergestellt. Foto: © W. Greiffenberger.
Technische Daten
Wagennummer2(?) / 15
TypCi
HerstellerBeuchelt & Co, Grünberg/Schlesien
Baujahr/Fabriknummer1901 / ?
Frühere BahngesellschaftBSE / TWE / KSch
Länge über Puffer10900 mm
Drehzapfen-/ Achsstand6470 mm
Raddurchmesser1000 mm
Masse13200 kg
BremseKpbr 8" / Spindel-Handbremse
Höchstgeschwindigkeit80 km/h
Beleuchtungurspr. ?, später Generator, Sammler, Glühlampen
Rahmengenietete Stahlprofile, Langträger NP 235, nicht tragender hölzerner Wagenkasten
Heizungurspr. Dampf, später Webasto-Warmluft.
Plätze 1/2/3/4.Kl./Steh-/-/43/-/?
Fahrzeuggeschichte
Dieser Wagen wurde 1901 an die Braunschweig - Schöninger Eisenbahn (BSE) zur Erstausstattung dieser Bahn geliefert, und als Nr. 2 (oder 12 ?) bezeichnet. Die Bahn besaß bis zum Ende noch ein sehr ähnliches Schwesterfahrzeug. Der Wagen kam 1950 zur Teutoburger Wald Eisenbahn (TWE) als Nr. 15 und ist 1955 dort modernisiert worden mit Erneuerung von Seitenwänden, Fenstern, Inneneinrichtung (ohne Abort), Radsätzen und Heizung (Webasto). 1960 wurde der Wagen an die Kiel-Schönberger Eisenbahn (KSch) abgegeben. Im Bw Bornhöved der Kiel-Segeberger Eisenbahn erhielt der Wagen im früheren Wechselabteil wieder einen Abort. Bereits im Mai 1964 ist der Wagen abgestellt worden, dann 1967 von den Verkehrsamateuren gekauft und nach Bergedorf Süd für ein künftiges dortiges Museum verbracht worden. Dort bis 1970 leider durch Vandalismus verwüstet, kam er 1971 nach Aumühle und wurde wegen der einfacheren Realisierbarkeit dem bereits begonnenen Ksch 1 (13) vorgezogen, wobei allerdings die vandalismusgeschädigten TWE-Gepäckraufen und die Hartfaserplatten-Scheindecke entfielen. Seit 1976 steht der Wagen am Schönberger Strand als Betriebsfahrzeug zur Verfügung.

1986/87 erfolgte eine weitere, nun grundlegendere Überarbeitung in Aumühle, wobei es allerdings bei dem Mischzustand teils vor, teils nach der TWE-Modernisierung blieb. Unterlagen zum Originalzustand sind nicht vorhanden, lediglich Vermutungen anhand von Spuren und dem noch vorhandenen Schwesterfahrzeug.
Museale Bedeutung
Fünfabteilige Zweiachser waren die übliche Wahl der um die vorvorige Jahrhundertwende zahlreich entstehenden Kleinbahnen, wobei die Kosten oft ein einfaches Tonnendach an Stelle des aufwändigen Oberlichtdaches nahelegten und ein schmales Einzelfenster pro Abteil anstelle aufwändigerer Lösungen wie Verbundfenster reichen musste. Auffällig die hohe Wölbung des Dachs, bei den meisten Kleinbahnen fiel sie geringer aus.

Der Wagen ist ein kurzer Plattformwagen mit hohem Tonnendach, fünf Abteilen und einem Abort, dabei ist ein Endabteil ein so genanntes Wechselabteil. In diesem - in größerer Breite - konnten durch Auflage von Sitzkissen auf die Holzbänke Plätze 2. Klasse hergerichtet werden. Dabei standen ursprünglich acht Plätze zur Verfügung, da der heute hier eingebaute Abort urssprünglich in Wagenmitte zu finden war. Im heutigen Zustand entspricht er in etwa den noch in den 1950ern und 1960ern eingesetzen modernisierten und entfeinerten Plattformwagen, die trotz ihres hohen Alters noch täglich eingesetzt wurden. Hinzu kommt, dass er einst - wenn auch nur wenige Jahre - auf der Schönberger Bahn im Planeinsatz stand und es auf beachtliche 63 Einsatzjahre brachte, gefolgt vom Museumseinsatz, der jeweils nur von den erforderlichen Untersuchungen unterbrochen wurde.
Weitere Bilder
Bild nicht anzeigbar Am 26.11.1967 war Otto Neumann mit dabei, als die angekauften Wagen KSch 1 und KSch 15 mittels einer Sonderfahrt mit einem MAN-Triebwagen der AKN in Schönberg abgeholt wurden und fertigte dieses Bild. Wegen abgelaufener Untersuchungsfristen durfte aber niemend in den Wagen mitfahren. Foto: © O. Neumann.

Bild nicht anzeigbar Wagen 15 im April 1973 nach der ersten Überarbeitung in Aumühle. Hier wurde er auch zeitweilig für Filmvorführungen genutzt. Der Anschriftenspiegel wurde nach dem übergemalten TWE-Original wiederhergestellt. Foto: © W. Greiffenberger.

Bild nicht anzeigbar Im April 1974 war Wagen 15 auf einer VVM-Sonderfahrt unterwegs. Foto: © W. Greiffenberger.

Bild nicht anzeigbar Am 17.6.1983 ist Wagen 15 auf einer Museumsbahn-Sonderfahrt in Kiel-Süd zu sehen. Er wurde inzwischen mit Speichenradsätzen ausgerüstet, die ursprünglich von einem Loktender stammen. Die aufgesetzten Blechflicken lassen bereits das Lebensende der Seitenwandbleche erahnen. Foto: © W. Greiffenberger.

Bild nicht anzeigbar Am 17.8.1996 ist Wagen 15 am Schönberger Strand zu sehen. Foto: © W. Greiffenberger.

Bild nicht anzeigbar Am 4.9.2004 war der Fotograf unterwegs, um diverse technische Einrichtungen der VVM-Wagen mit der neuen Digitalkamera zu dokumentieren. Dabei entstanden auch Bilder vom Laufwerk des Wagens 15. Gut erkennen kann man hier eine der Lengericher TWE-Umbaubauten. Um die wartungsärmeren Verbandsbauart-Achslager einbauen zu können, musste das Spiel der Achsgabeln um 3cm vergrößert werden, was man durch Neu-Annieten der jeweils zur Wagenmitte zeigenden Achgabelhälften erreichte. Dadurch entstand der kuriose Achsstand von 6,47m. Da die Federaufhängung nicht geändert wurde, entstand ein starker einseitiger Verschleiß. Die völlig ausgeschlagenen Federböcke wurden schließlich in Aumühle durch neuwertige der Verbandsbauart in nun richtig ausgerichteter Position ersetzt. Foto: © W. Greiffenberger.

Bild nicht anzeigbar Am 17.9.2005 ist Wagen 15 im Einsatz in Schönberg. Dem inzwischen notwendigen Neuanstrich der Seitenwände müssen noch Schilder und Beschriftung folgen. Foto: © W. Greiffenberger.

Bild nicht anzeigbar Zum Schluss noch ein Bild des Schwesterwagens BSE 1 vom Oktober 1968. Anlässlich der Abstellung der letzten BSE-Dampflok gab es auf der nur noch im Güterverkehr betriebenen Bahn eine Abschiedsfahrt, auf der auch der als Bereisungswagen noch vorhandene Wagen 1 mitfuhr. Im Gegensatz zum Wagen 2, dem jetzigen VVM 15 mit seinem Wechselabteil war der 1 ein echter Wagen 2./3. Klasse mit Abort in Wagenmitte. So etwa mit abgerundeten Fenstern sah einst also auch der 15 aus. Nach Einstellung der Bahn, von der heute nur noch ein kurzer Abschnitt als Gleisanschluss des berüchtigten Atommülllagers Asse existiert, wurde der Wagen in einem Kindergarten aufgestellt, dort nach Jahrzehnten geborgen und anschließend in das Eisenbahnmuseum Dieringhausen verbracht, wo er in desolatem Zustand auf eine Aufarbeitung hofft. Foto: © W. Greiffenberger.

Bild nicht anzeigbar Schluss - wie beim vorigen Foto angegeben - gibt es für ein noch existierendes Fahrzeug nie, solange es noch nicht restlos vernichtet wurde. Am 18.8.2018 zeigte sich der mittlerweile 117 Jahre alte Ci 15 am Schönberger Strandbahnhof ansehnlich in der Sonne. Nach 64 Jahren kommerziellen Einsatzes ist er von Anbeginn bis heute - bis auf die unvermeidlichen Pausen für die vorgeschriebenen Untersuchungen und daraus resultierenden Unterhaltungsarbeiten - auch auf der Museumsbahn im Einsatz. Sehr erfreulich, dass nun auch von der jungen Generation unaufgefordert gelungene Bilder zur weiteren Fahrzeugdokumentation eintreffen, was der alternde Webmaster gerne umsetzt. Foto: © L Laws.