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Eilzug-Packwagen Pw4pr16 108 968 +


Bild nicht anzeigbar Am 3.6.1982 stand der Wagen noch als DB-Bahnhofswagen im Bahnhof Leer. Dank fortwährender Abplanung kamen später keine aussagekräftigen Bilder mehr zu Stande. Foto: © W. Greiffenberger.
Technische Daten
WagennummerHan 4027 / 93023 / 108 968 / Han 8327 / 63562
TypPw4pr16
HerstellerAG für Fabrikation von Eisenbahnmaterial, Görlitz
Baujahr/Fabriknummer1921 / ?
Frühere BahngesellschaftDRG, DB
Länge über Puffer18590 mm
Drehzapfen-/ Achsstand12000/2500 mm
Raddurchmesser1000 mm
Masse? kg
BremseKkpbr mit Lastabbremsung, Spindel-Hbr.
Höchstgeschwindigkeit120 km/h
Beleuchtungurspr. Gaslicht
Rahmengenietete Stahlprofile, mittragender Wagenkasten
Heizungurspr. Dampf
Ladefläche? m2
Zuladung10000 kg
Fahrzeuggeschichte
Erst kurz vor dem ersten Weltkrieg wandte sich die preußische Staatsbahn ersten Versuchen mit genieteten eisernen Wagenkästen von Reisezugwagen zu. Kriegsbedingt kam die Entwicklung kaum voran, wurde von der nachfolgenden Reichsbahn dann aber verstärkt angestrebt. Als Versuchsfahrzeuge wurden auch keine Musterblätter aufgelegt und manche Zeichnungen verblieben wohl in den Herstellerwerken oder nur in den Versuchsanstalten der Staatsbahn. Hinzu kam, dass eiserne Wagen, die aber weitgehend den hözernen Schwesterfahrzeugen entspachen, weder nummernmäßig noch bauartmäßig von den Holzwagen getrennt eingeordnet wurden, so dass es heute oft nicht mehr sicher ermittelt werden kann, ob ein spezifisches Fahrzeug wirklich eiserner Bauart war.

Erstmals anders war das für die von der Reichsbahn später als Pw4pr16 bezeichneten Fahrzeuge, die von vornherein als eisene Bauart vorgesehen war und damit als erste eiserne Regelbauart angesehen werden kann. Die Wagen lehnen sich stark an die bewährten hölzernen Schnellzug-Packwagen mit mittigem Zugführeraufbau an und weisen anstelle der Türnische am Wagenende eine sich zum Wagenende verjüngende Wagenbreite auf, wie sie für die ersten Vierachser der Reichsbahn, die dann als „Spitzender” oder „Hechtwagen” bezeichnet wurden, typisch werden sollte. Bei späteren Bauarten kehrte man aber wieder zur Türnische zurück.

Die etwa 30 Wagen umfassende Bauserie unseres Exemplars (Vertag A II 1685) war für damals in der Regel noch aus vierachsigen Abteilwagen gebildete Eilzüge vorgesehen und bekam deshalb keine Wagenübergänge, die aber später nachgerüstet wurden. Weitere 301 Wagen wurden für den Schnellzugdienst gleich mit Faltenbalg-Übergängen geliefert. Die meisten der Wagen konnten erst nach Kriegsende fertiggestellt werden.

Die frühen und späten Wagennummern legen nahe, dass unser Wagen ein ziemlich beständiger Niedersachse war. Der noch preußischen Bezeichnung Hannover 4027 folgte die 93023 des Nummernplans 1925 und dann die langjährige 108 968 der Nummernplans 1930. Eine UIC-Nummer hat der Wagen offenbar nicht mehr erhalten, was bei älteren Inlandswagen aber nicht unüblich war. Um 1970 wurde er zum Bahndienstwagen Hannover 8327 umgezeichnet, welchen Zwecken er diente und welche Umbauten dazu erfolgten, ist uns nicht bekannt. 1982 wurde er ohne Inneneinrichtung als Bahnhofswagen 63 562 des Bahnhofs Leer in Ostfriesland aufgefunden, dort diente er als Lagerwagen. Dabei bedeutet die 63 nichts anderes als die Direktion Hannover. Trotz des angeschlagenen Zustands mit teils schon länger fehlender Dachdecke und resultierender Dauer-Durchfeuchtung wurde er angekauft.

Eine erste Zuflucht fand er in der schon lange leerstehenden ehemaligen Triebwagenhalle des Altonaer Bahnbetriebswerks. Dort wurden auch erste Arbeiten angefangen, die aber unvollendet und unkonserviert hinterlassen wurden. Als die Halle geräumt werden musste, kam er nach Aumühle, wo er wegen seines Zustands umgehend unter alten Lkw-Planen verschwand und als Lagerraum genutzt wird.

Museale Bedeutung
Mit nur 30 Wagen erlangten diese Eilzug-Packwagen kaum historische Bedeutung, zumal sie bald nachträglich mit Wagenübergängen versehen und den 301 weiteren Wagen angeglichen wurden, die gleich für Schnellzüge mit Faltenbalg-übergängen gebaut wurden. Bedeutsam ist, dass sie offenbar die erste selbständige eiserne Reisezugwagenbauart in Preußen darstellen und bereits die von der Reichsbahn weiterentwickelte Form der spitz zulaufenden Wagenenden vorwegnehmen. Technisch interessant sind die typischen Regeldrehgestelle in der Ausfürung für Packwagen mit einfacher Primärfederung sowie automatischer Lastabbremsung nach Zeichnung Bl134 und der Bremsgestängesteller. Bedeutsam war diese Bauform überwiegend für den Fernverkehr, zumal sie auch noch gewisse Ähnlichkeit mit den etwa 800 hölzernen D-Zug Packwagen aufweist. Außer einem zumindest äußerlich aufgearbeiteten, soweit bekannt baugleichen Wagen in Bochum-Dahlhausen sind weitere Exemplare vmtl. nirgendwo mehr erhalten.
Weitere Bilder
Bild nicht anzeigbar Am selben Tag von der anderen Seite wie das Titelbild, mehr hat der Webmaster derzeit nicht greifbar. Foto: © W. Greiffenberger.