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Studienfahrt nach Hannover am 28. 10. 2017

VVM-Studienfahrten sind in der Regel öffentlich, jeder, der Interesse daran hat, kann gerne teilnehmen. Wenn Sie mit dabei sein wollen: Zur Terminliste mit den nächsten Sonderfahrten. Einen Reisebericht finden Sie auch in den Hamburger Nahverkehrsnachrichten/4/2017.

Text und Bilder – soweit nicht anders vermerkt: © R. König.

Unsere Herbst Studienfahrt 2017 führte uns nach Hannover. Neben einem „neuen-alten Triebwagen“ war das Ziel, möglichst viele Endhaltestellen anzufahren die relativ neu hinzugekommen sind und wo wir bei den letzten Besuchen nicht waren – bzw. noch nicht sein konnten. Nun, aus verschiedenen Gründen ließ sich zwar vieles, aber nicht alles verwirklichen (wir haben also noch genügend für den nächsten Besuch). Zeigen wir zunächst, was wir diesmal „geschafft“ haben.

Bild nicht anzeigbar Ja, der erste Triebwagen der Bauart 6000 mit dem 1974 das „Stadtbahnzeitalter“ begann, gehört inzwischen auch schon zum historischen Bestand. Heute sind noch knapp die Hälfte der 260 gebauten Triebwagen in Hannover vorhanden - aber dabei handelt es sich ausschließlich um die bis 1992 von LHB gebauten jüngeren Serien. Von den ersten Hundert, bis 1978 von Duewag gebaut (leicht erkennbar am mittig angesetzten Scheibenwischer), ist eben nur noch 6001 in Hannover. Der überwiegende Rest fährt inzwischen im Ungarischen Budapest herum.

An der Haltestelle Leinaustraße in Lindenau-Nord begegnen wir dem für die „Expo 2000“ beschafften Nachfolgertyp 2000 (sechsachsig 49 Stück) bzw. 2500 (sechsachsiges Halbfahrzeug 96 Stück). Hier zu sehen 2563 als hinterer Teil eines „2500 Päärchens“. Die Haltestelle selbst wurde im Jahr 1994 im Projekt „Busstop“ als „Dachgarten“ speziell designet.

Bild nicht anzeigbar Nachdem wir den ersten Zielpunkt, die 1994 eröffnete Endstelle Ahlem, bereits wieder verlassen haben, machen wir einen Fotohalt etwa dort, wo vorher die Linie begann - in Limmer. Hier startete auch die erste Linie, die noch vor Eröffnung der ersten Tunnelstrecke mit den nagelneuen Tw 6000 bedient wurde, die Linie 1 nach Laatzen, so oder so ähnlich hat es 1975 ausgesehen.

Bild nicht anzeigbar Noch ganz frisch ist die neue Endhaltestelle Hauptbahnhof/ZOB der Linien 10 und 17. Eröffnet wurde die neue Strecke durch die Bahnunterführung „Posttunnel“ am 18. September 2017, und war bei unserem Besuch also gerade erst 5 Wochen in Betrieb. (Die Strecke Hauptbahnhof – Aegidientorplatz wurde dafür im Mai 2017 aufgegeben). Mit Eröffnung der neuen Endstelle können auf diesen Linien keine Tw der Type 6000 mehr in Doppeltraktion verkehren, der Bahnsteig ist dafür zu kurz…, beim Typ 2500 liegt die erste Tür weiter zur Mitte. Und der Eindruck täuscht, es handelt sich hier nicht um eine Perdebahn… Foto: © W. Dierssen.

Bild nicht anzeigbar Nach der Neubaustrecke zum Hauptbahnhof/ZOB haben wir einmal den A-Tunnel durchfahren und sind nun im äußeren Nordosten der Stadt an der Endstelle Misburg. Die Strecke wurde von Lahe in zwei Schritten 2010 bis Schierholzstraße und Dezember 2014 bis Misburg „Meyers Garten“ eröffnet. Interessanterweise wurde Misburg schon einmal von den „Überlandstraßenbahnen“ erreicht: 1901 - 1953/55 verband die Linie 13 Anderten, Misburg und Groß Buchholz miteinander. Alle drei Orte kann man heute auch wieder per Straßenbahn erreichen, die beiden erstgenannten heute ein Stadtbezirk (!) allerdings nicht direkt miteinander - da nimmt man lieber den Bus, der an der für Hannover recht typischen vis-a-vis Haltestelle links bereitsteht. Die Linie 7 gehört zu den ersten, auf denen die neueste Generation Stadtbahnwagen verkehrt, der Typ 3000, gebaut von einen Konsortium Heiterblick/Vossloh/Kiepe/Alstom, ist wieder ein dreiteiliger 6-Achser. Die 2013 begonnene Auslieferung der insgesamt bestellten 146 Fahrzeuge läuft noch. Je nach Bedarf und Linie können sie solo, als Päärchen oder Dreiwagen-Zug eingesetzt werden, auf der Messelinie 18 sind sogar Vierfach-Kombinationen möglich. Da es fast überall Hochbahnsteige gibt, sind sie die ersten Fahrzeuge ohne Klapptrittstufen.

Bild nicht anzeigbar Seine offenen Klapptrittstufen präsentiert uns hier nochmal der Tw 6001 auf dem Betriebshof Döhren, den wir über den B-Süd Tunnel erreicht haben. Diese Klapptrittstufen ermöglichen es, dass der gleiche Zug im Wechsel mit konventionellen Haltestellen auch mit stufenlosem Einstieg an Hochbahnsteigen halten kann, seinerzeit Voraussetzung für den Stadtbahnbau. Die Niederflur-Technik kam erst etwa 15-20 Jahre später.

Bild nicht anzeigbar Der Betriebshof Döhren ist die Heimat für die historischen Fahrzeuge der „Arbeitsgemeinschaft“. Wir wechseln hier nun auf Teil 2 unseres Besuches und werden die Fahrt mit den Typ 4-Achs-Großraumwagen fortsetzen. Triebwagen 336 und 478 (Duewag 1955 und 1957) sehen bereit. Auf den ersten Blick sehen beide fast gleich aus, was es mit den drei Streifen am 478 auf sich hat, klären wir später.

Bild nicht anzeigbar Da unser zweiter Fahrer – direkt vom Dienst kommend - noch nicht eingetroffen war, ging es erst eimmal mit Tw 478 alleine zur Endstelle Messe (Nord), die 1950 als erste Neubaustrecke nach dem 2. Weltkrieg eröffnet wurde. Bedarf besteht hier natürlich durch die Industriemesse, die hier alljährlich für Ausnahmezustand bei der Straßenbahn sorgt, seit 1994 gilt dies auch bei dem seither eigenständigen Ableger „für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation“ die „Cebit“.

Bild nicht anzeigbar Nun ist auch der zweite Fahrer bereit und wir sind mit beiden Wagen unterwegs Richtung Sarstedt, dabei haben wir das Hannoveraner Stadtgebiet nach Süden verlassen. Durch die Gemeinde Laatzen führen zwei Strecken praktisch parallel. Die benutzte westliche Strecke der Linie 2 durch den Ortsteil Grasdorf ist die ältere davon, allerdings ist es relativ eng, so dass zwei Haltestellen weit nur Platz für eine Gleisverschlingung ist. Östlich verkehrt die 1 seit den 1970er Jahren durch die Hochhaussiedlung Laatzen Zentrum. Hier sind wir an der Haltestelle Rethen Nord der Linie 2. Gleich hinter der Haltestelle laufen die Strecken wieder zusammen und endet anschließend die 2. Beide Triebwagen im Vergleich von der türlosen Seite. Nun wollen wir das Geheimnis der Streifen aufklären. Sie kennzeichnen die später gebauten Triebwagen, die 15 cm breiter sind, aber auch nur ein angetiebenes Drehgesell haben. Sie verkehrten z.T. als Doppeltraktion, die an den Außenästen getrennt werden sollten, dieser „Y-Verkehr“ wurde allerdings erst 1995 (in Laatzen) tatsächlich eingeführt, fünf Jahre nachdem der Letzte „Breitraumwagen“ aus dem Liniendienst schied.

Bild nicht anzeigbar Hier präsentiert uns Triebwagen 336 mal seine Hinterseite mit der Scharfenberg-Kupplung. Normalerweise gehört hier noch ein Beiwagen hin – der passende schmale 1304 ist aber noch in der Aufarbeitung. Auch für den Breitraumwagen gibt es einen Beiwagen – den wir aber diesmal im Hof gelassen haben. Dieser ist, da der Triebwagen etwas schwach ist (nur ein Antrieb), ebenfalls mit einem angetriebenen Drehgesell versehen. Die Haltestelle Rethen Nord zeigt noch das früher so typische Schachbrett-Fliesen Muster. Da es hier noch keinen Hochbahnsteig gibt, können hier auch keine Triebwagen des Typs 3000 eingesetzt werden.

Bild nicht anzeigbar Richtig schöne 50er-Jahre Großraumwagen-Atmosphäre im Tw 336. Smartphones, überhaupt Handys - Entschuldigung, Mobiltelefone - hat es damals natürlich noch nicht gegeben. Vermutlich wird gerade das Datenblatt eingesehen oder Wissenswertes zur Strecke recherchiert.

Bild nicht anzeigbar Die heutige 1 endet seit 1958 in Sarstedt. Legendär ist die Strecke, die seit 1904 bis zur Nachbarstadt Hildesheim ging und Anschluss an das (auch längst eingestellte) dortige Netz hatte. Schon frühzeitig verkehrten auf der längsten Außenlinie - der 11 - 4-achsige Triebwagen, die einen speziellen roten Anstrich hatten. Ein Triebwagen hiervon - Baujahr 1927 - ist erhalten, und wer aufgepasst hat, hat ihn vorhin beim Durchlaufen der Fahrzeughalle Döhren auch gesehen. Er kann zur Zeit leider nur geschleppt werden. Das heutige südlichste Teilstück der Straßenbahn Hannover liegt im Landkreis Hildesheim und damit als einzige Stadtbahnstrecke im Tarifbereich „Region“, was bei Finanzierungsfragen schon zu Streitigkeiten geführt hat. Man wurde sich einig, der Kreis beteiligte sich mit zwei Millionen an Sanierungskosten, dafür ist der Betrieb bis 2027 garantiert.

Bild nicht anzeigbar Zurück in Hannover haben wir im Betriebshof Döhren erneut die Fahrzeuge getauscht und sind durch den C-Tunnel nach Norden gefahren. An der ersten Haltestelle hinter dem Tunnel „An der Strangriede“ legen wir einen Fotohalt ein. Man sieht, wir werden immer kleiner, nach 8- und 4- sind wir nun bei den 2-achsigen Fahrzeugen angekommen. 50 Trieb- und 40 Beiwagen der „Stahlbauart“ prägten seit 1928 Überlandnetz und später auch das Stadtnetz von Hannover. Sie wurden bei der Waggonfabrik HAWA in Hannover Linden gebaut. Bei der flotten Fahrt mit Triebwagen 178 (mit Beiwagen 1039) ging besonders unseren Aktiven das Herz auf - haben wir doch mit Tw 202 und Bw 1010 Schwesterfahrzeuge im Bestand am Schönberger Strand.

Bild nicht anzeigbar Die Endstelle Nordhafen verfügt seit längerem über keine Schleife mehr, sondern nur noch eine zweigleisige Abstellanlage gleich neben dem Mittellandkanal (links), zu der wir gleich durchgefahren sind. Richtungswechsel ist für den Zweirichtungswagen ja kein Problem, aber wie am Beiwagen vorbeikommen wenn es keinen Umlauf gibt? Nun, man könnte den Beiwagen von Hand umrangieren, wie wir es z.B. vier Jahre zuvor in Krefeld praktizierten. Aber man hat eine elegantere Lösung: Klammheimlich ist uns Aufbau Tw 239 gefolgt und schickt sich nun an, einfach umzukuppeln.

Bild nicht anzeigbar Wieder zurück an der Strangriede sieht man das Ergebnis, nun hat der Tw 239 den 1039 am Haken und Tw 178 folgt im Abstand solo. Der Tw 239 ist einer von 15 Triebwagen, die man 1950 bei der Düsseldorfer Waggonfabrik aus Resten kriegszerstörter Fahrzeuge mit Mitteln des „Marshallplans“ (wieder-)aufbauen ließ. Sie waren bis 1977 im Einsatz. Unsere Reise führt uns als nächstes durch den C-Tunnel über Kleefeld zur Endstelle Roderbruch von 1984, da diese auch nie über eine Schleife verfügte, wiederholen wir hier die Umkuppelaktion noch einmal andersherum. Die örtlichen Verhältnisse ließen hier leider kein Bild zu. Tw 239 konnte damit Feierabend machen.

Bild nicht anzeigbar Bevor auch wir uns verabschieden, sind wir nochmals durch den C-Tunnel und die dritte Ausfahrt Richtung Herrenhausen gefahren. Damit haben wir bis auf zwei kurze Ausfahrten des A- und B-Tunnels heute alle Kern-Tunnelstrecken befahren und sind nun auf dem Gelände des Betriebshofes Leinhausen. Hier gibt es eine kurze Gelegenheit, sich einen Triebwagen der Type 3000 einmal aus der Nähe und von Innen anzusehen.

Bild nicht anzeigbar Blick in das Innere eines Typs 3000. Dass ein überwiegender Teil der Plätze wieder in Längsrichtung angeordnet wurde, war schon bei den Tw 2000 so, sehr viel Stehfläche für den Massenverkehr, man vergleiche mal mit sechs Bildern zuvor. Auffallend beim Probesitzen auch, dass das Sitzmöbel sehr kalt ist (OK - der Wagen war ungeheizt abgestellt).

Bild nicht anzeigbar So, nun müssen wir Abschied nehmen, da man von Herrenhausen, seit es die Tunnel gibt, nicht mehr direkt zum Hauptbahnhof fahren kann, endet unsere Tour in der untersten Ebene (-3) am Kröpcke, der zentralen Haltestelle der Stadt, die insgesamt über sechs Bahnsteigkanten verfügt und an der sich fast alle Linien treffen. Nur die 17 gar nicht und die 10 (10 durchgestrichen genannt „halbe Linie“) nur zum Nachtverkehr. Obwohl sich hier alle drei Tunnel treffen, gibt es gleismäßig keine Verbindung zueinander, das passiert erst an der jeweils nächsten Haltestelle. Dass wir nicht zum Hauptbahnhof kommen, ist auch nicht weiter schlimm, denn auf der über uns kreuzenden A-Strecke läuft gerade ein Fußballabreiseverkehr dorthin - da hätten wir nur gestört. Dass Fußball war, werden wir auf der ersten Teilstrecke unserer Rückfahrt im Metronom Richtung Hamburg an der Überfüllung noch merken. Auch wenn der Wagenboden fast auf Bahnsteighöhe liegt, ist ein großer Schritt notwendig, um auszusteigen, Klapptrittstufen müsste man haben... - das würde die Wagen aber verschandeln – also lieber nicht. Und wir werden ganz bestimmt wiederkommen, denn von unserer Vorgabe sind immer noch zwei Strecken übrig geblieben: Wettbergen (1999) und Anderten (2002). Vsl. 2020 kommt mit Hemmingen dann noch eine ganz neue hinzu.

Ein interessanter Tag geht zu Ende und wer nicht dabei war, hat einiges verpasst. Für die nächste Tour siehe unseren Terminlisten-Link am Seitenanfang.