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Die Museumsstraßenbahn
Schönberger Strand

Straßenbahnen – einst auch im Norden
Straßenbahnen gab es einst in Deutschland in nahezu jeder Stadt über 10.000 Einwohner und mancherorts sonst. Auch heute bestehen in Deutschland noch über 50 Straßenbahnbetriebe – nur ganz im Norden nicht mehr.

Die modernen Betriebe in Bremen, Hannover, Braunschweig, Magdeburg, Schwerin und Rostock sowie die Bahnen in und um Berlin sind heute Deutschlands nördlichste Straßenbahnen. Aus Flensburg, Schleswig, Kiel und Lübeck, aus Hamburg, Cuxhaven, Bremerhaven, Celle und Stralsund, vom Strand bei Warnemünde und von den Inseln Amrum und Sylt hingegen sind Straßenbahnen schon seit Jahrzehnten verschwunden, und oft erinnert dort fast nichts mehr an sie.

Zu den Museumsbahnen Schönberger Strand gehört eine Sammlung von über 30 Straßenbahnfahrzeugen aus dem Norden Deutschlands – von den stillgelegten Straßenbahnen aus Kiel, Lübeck und Hamburg, sowie aus Hannover und Berlin. Nur ein Wagen stammt ursprünglich aus München.

Bild nicht anzeigbar Begegnung des Hamburger Straßenbahnwagens 3006, Type V2, gebaut 1927, mit dem Kieler Großraumwagen 241, Baujahr 1957. In beiden Städten fährt heute keine Straßenbahn mehr. Foto: © M. Elsner.

Bild nicht anzeigbar Triebwagen 656 aus Hamburg ist unser ältester Straßenbahnwagen – schon 1894 löste er die Pferdebahn ab. Später modernisiert, wurde er schon in Hamburg 1954 in diesen quasi-historischen Zustand zurückversetzt. Der Fahrer stand bei diesen Wagen noch bis Mitte der 1920-er Jahre im Freien, und so auch heute. Im Hintergrund Triebwagen 202 aus Hannover, Baujahr 1929. Foto: © M. Elsner.

Eigener Straßenbahnbetrieb
Es gibt in Deutschland nur drei von den städtischen Verkehrsbetriebenen unabhängige Museen, die historische Straßenbahnen im Betrieb zeigen können und in denen Sie als Fahrgast mitfahren können. Eine dieser drei Museums-Straßenbahnen besteht am Bahnhof Schönberger Strand – auf eigenen Gleisen, technisch und betrieblich unabhängig von der Museumseisenbahn, doch betrieben vom selben Verein. Dies ist einmalig in Deutschland.

Bild nicht anzeigbar Während die Straßenbahnwagen aus Hamburg, Hannover und Berlin auf Normalspurgleisen mit 1435 mm Spurweite fahren, wie hier rechts Triebwagen 202 aus Hannover, hatten die Straßenbahnen in Kiel und Lübeck eine Schmalspur von 1100 mm. Links der Kieler Großraumwagen 241 auf dem von Wagen beider Spurweiten befahrbaren Dreischienengleis. Foto: © H. Elsner.

Einmalige Anlage
Auch in manch anderer Hinsicht ist unsere Museums-Straßenbahn einmalig:

Die Anlage ist für zwei Spurweiten gebaut – Normalspur (1435 mm) und Schmalspur (1100 mm). Diese Schmalspur gab es in Deutschland früher nur in Kiel, Lübeck und (heute noch) in Braunschweig – sowie heute auch bei uns. Denn wir besitzen auch Fahrzeuge der früheren Straßenbahnen in Kiel und Lübeck, und diese stehen bei uns auch in Betrieb. Nur bei uns gibt es daher derartige dreischienige Gleisanlagen, die auf beiden Spurweiten befahren werden.

Die Anlage ist auch für mehrere unterschiedliche Stromabnahme-Systeme gebaut – denn während alle anderen Städte in Deutschland spätestens seit den 1960-er Jahren Scherenstromabnehmer einsetzten, hielt Hamburg bis zur Einstellung des Straßenbahnbetriebes am 1. Oktober 1978 am Rollenstromabnehmer („Trolley”) fest. Heute kann in Deutschland nur bei uns diese Technik im Fahrgastbetrieb gezeigt werden. Und wir haben die größte existierende Sammlung Hamburger Straßenbahnwagen – viele von ihnen die letzten erhaltenen ihrer Bauart.

Wie einst in ihren Städten verkehren unsere Straßenbahnen mit Gleichstrom von ca. 550 V Spannung, in die Oberleitung eingespeist über eine eigene Trafostation und ein eigenes historisches Gleichrichterwerk, 1957 als mobiles „Unterwerk” für die Straßenbahn in Magdeburg gebaut.

Die Gleisanlage der Museums-Straßenbahn umfasst zwar, mit allen Abstellgleisen, „nur” rund 1.200 m (gleich welcher Spurweite), doch sind derzeit 15 Weichen und 3 Kreuzungen vorhanden – wie in dichten städtischen Straßenbahnnetzen. Zusammen mit engen Kurven wird so ein Fahrerlebnis geboten, wie es früher für Straßenbahnen typisch war, aber auf modernen Stadtbahnstrecken derart auch in historischen Fahrzeugen nicht mehr erlebbar ist.

Der Museums- Straßenbahnbetrieb
An jedem Wochenende von Pfingsten bis Mitte September stehen unsere historischen Straßenbahnen im Einsatz – mindestens im Anschluss an die ankommenden Eisenbahnzüge. Weitere Fahrten finden nach Bedarf statt – und der besteht fast immer, so dass oft mehrere Straßenbahnzüge gleichzeitig im Einsatz sind. Zögern Sie jedoch nicht, uns anzusprechen, wenn Sie mit der Straßenbahn fahren möchten, und nicht gerade Hochbetrieb herrscht – wenn es uns gerade möglich ist, fahren wir gern mit Ihnen ein paar Runden.

Die Straßenbahn-Rundfahrten dauern etwa 15 Minuten. Fahrpreise finden Sie in unserem Tarif.

Für Gruppen fahren wir nach Vorbestellung jederzeit, senden Sie eine E-Mail an unseren Ansprechpartner

Bild nicht anzeigbar Zur Zeit noch „nur” ein Ausstellungsstück ist der Triebwagen 3361 der Type V7 E aus Hamburg, gebaut bei Linke-Hofmann-Busch in Salzgitter-Watenstedt im Jahre 1957. Diese Wagen gehörten zu den modernsten der Hamburger Straßenbahn und standen bis 1977 in Betrieb. Foto: © H. Ebeling.

Bild nicht anzeigbar Hochbetrieb bei der Museumsstraßenbahn mit 3 Zügen gleichzeitig in Betrieb: Triebwagen 241 aus Kiel steht rechts abfahrbereit, links überholen Triebwagen 202 aus Hannover und Triebwagen 656 aus Hamburg. Foto: © M. Elsner.

Bild nicht anzeigbar Der Werkstatttraktor 4 war normalerweise nur auf dem Gelände der Waggonfabrik Falkenried, die zugleich Hauptwerkstätte der Hamburger Straßenbahn war, unterwegs. Für fallweise Abschleppeinsätze war er zuletzt auch mit Beleuchtung ausgestattet. Hier zieht er den Sommerbeiwagen 93, der auf dem Fahrgestell eines Münchner Beiwagens von 1910 entstanden ist. Gut erkennbar der in Hamburg bis zuletzt verwendete Rollenstromabnehmer. Foto: © H. Ebeling.

Bild nicht anzeigbar An vielen Straßenbahnwagen sind noch umfangreiche Restaurierungsarbeiten erforderlich, da ihnen oft jahrelange Abstellung im Freien zugesetzt hat, bevor sie in der Wagenhalle am Schönberger Strand Platz fanden. Hier erhält der Kurvenschmierwagen 354 aus Kiel, ursprünglich ein bei Falkenried gebauter Personentriebwagen von 1908, eine Erneuerung von Außenblechen und einen Neuanstrich. Foto: © H. Elsner.

Fahrzeuge der Straßenbahn
Aus Kiel sind 5 schmalspurige Straßenbahn-Triebwagen der Baujahre 1900 bis 1957 und 2 Straßenbahn-Beiwagen in Schönberger Strand erhalten – drei dieser Fahrzeuge stammen ursprünglich aus Lübeck. Im Fahrgastbetrieb wird derzeit der Großraumtriebwagen 241 eingesetzt, gebaut 1957 bei der Düsseldorfer Waggonfabrik (DÜWAG). Er repräsentiert die letzte Entwicklungsstufe der Straßenbahn im Norden – ihm folgten in Kiel lediglich noch einige ähnliche Gelenktriebwagen.

Aus Hamburg sind zur Zeit 17 Straßenbahnfahrzeuge in Schönberger Strand vorhanden, zwei weitere sind ausgelagert. Dazu zählt der älteste betriebsfähige Triebwagen Nr. 656 aus dem Baujahr 1894, Wagen aus den zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren sowie die Großraumtriebwagen der fünfziger Jahre, die den Abschluss der Entwicklung in Hamburg bildeten. Einmalig ist auch der Werkstatt-Traktor, gebaut 1927, der in Hamburg nur im Bereich der Fahrzeugwerkstätten Falkenried eingesetzt wurde. Mehrere dieser Hamburger Fahrzeuge stehen bei der Museums-Straßenbahn im Fahrgastbetrieb.

Aus Hannover haben wir einen Zug der „Stahlwagen”-Serie von 1928-30 erhalten – der Triebwagen Nr. 202 kann ebenfalls im Fahrgastbetrieb eingesetzt werden.

Aus Berlin stammt ein Paar der 1929 gebauten und 1936 umgebauten Verbundtriebwagen, wie sie für den 1967 aufgegebenen Straßenbahnbetrieb im Westteil der Stadt bis zum Schluss typisch waren. Sie können derzeit noch nicht im Fahrgastbetrieb eingesetzt werden.

Und der Wagen aus München? Es ist der offene Anhänger, ein Sommerwagen, wie er typisch war für Pferdebahnen, aber auch für Anhänger einiger Betriebe in der Anfangszeit des elektrischen Betriebs. Ursprünglich 1910 als geschlossener Beiwagen gebaut, wurde er im zweiten Weltkrieg zerstört. Auf dem Fahrgestell baute man eine Arbeitslore auf, zuletzt mit einem Hubsteiger ausgerüstet. Wir haben das historische Fahrgestell als Grundlage für den Nachbau eines solchen Sommerwagens – Baujahr 1993 – verwendet.

Detailliertere Information über unsere Straßenbahnwagen finden Sie in unserer Fahrzeugsammlung.

Bild nicht anzeigbar Die Anlage mit zwei Spurweiten und zwei Systemen der Stromabnahme enthält verwirrend viele Weichen und Oberleitungsdrähte. Auf diesem Bild ist gut zu sehen, dass der Hamburger Triebwagen 3006, ausgerüstet mit Rollenstromabnehmer, eben eine so genannte Luftweiche passiert hat, die exakt über der Gleisweiche positioniert sein muss, um die richtige Führung des Stromabnehmers zu gewährleisten. Der Kieler Triebwagen 241 im Hintergrund hat einen Scherenstromabnehmer und benötigt diese speziellen Fahrleitungsbauteile, die es in Deutschland nur noch in unserem Betrieb gibt, nicht. Foto: © M. Elsner

Bild nicht anzeigbar Bescheidener Holzlatten-Sitzkomfort im Hamburger V2-Triebwagen 3006 von 1927. Dieser Wagen war bis 1968 im regulären Betrieb. Foto: © M. Elsner.

Bild nicht anzeigbar Ebenfalls noch nicht für Betrieb mit Fahrgästen restauriert, doch fahrfähig, ist der Hamburger Fahrschul-Triebwagen 3999, gebaut 1956. Er besitzt zwei Fahrerstände – einen für den Fahrschüler und einen für den Fahrlehrer, der zahlreiche Störungen simulieren konnte. Foto: © H. Ebeling.

Bild nicht anzeigbar Nächtliche Begegnung der Hamburger Triebwagen 656 und 3361. Links der für Fahrleitungsarbeiten benötigte Turmwagen, ebenfalls ein schon betagtes Stück aus den 1970-er Jahren. Foto: © H. Ebeling.